
Meine Brustkrebs-Erkrankung ist auf eine Genmutation zurückzuführen, das sogenannte BRCA1-Gen.
BRCA1 ist ein sogenanntes Tumorsuppressor-Gen.
Es ist unter anderem an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt und trägt dazu bei, unkontrolliertes Zellwachstum zu verhindern.
Bei einer pathogenen BRCA1-Mutation,
- ist diese Reparaturfunktion eingeschränkt
- erhöht sich das Risiko für bestimmte Krebsarten
- insbesondere für Brust- und Eierstockkrebs
Die Mutation wird in der Regel autosomal-dominant vererbt – das heißt: Bereits ein verändertes Allel kann das Erkrankungsrisiko erhöhen.
Wichtig ist mir dabei eine klare Einordnung:
👉 Eine BRCA1-Mutation ist ein Risikofaktor, aber kein festgeschriebenes Schicksal.
Krebs entsteht nicht durch ein einzelnes Gen, sondern durch das Zusammenspiel vieler biologischer, hormoneller, immunologischer und umweltbedingter Faktoren.
Was Gene wirklich sind – und was nicht
Gene lassen sich gut als Bauanleitungen verstehen.
Sie geben einen Rahmen vor, werden aber nicht automatisch oder immer gleich „abgelesen“.
Ein hilfreiches Bild dafür ist dieses:
- Die Gene sind das Notenblatt
- Das Leben ist das Orchester
- Die Musik entsteht erst im Zusammenspiel
Zu diesem „Orchester“ gehören unter anderem:
- Umweltbedingungen
- Stress und Belastung
- Ernährung und Stoffwechsel
- Hormone
- Schlaf und Regeneration
- emotionale Erfahrungen
Wie sich Gene tatsächlich auswirken, hängt also stark davon ab, unter welchen Bedingungen sie aktiv sind.
Epigenetik: Wie Gene geprägt und reguliert werden
Hier setzt die Epigenetik an. Sie beschreibt, wie sich die Aktivität von Genen verändern kann, ohne dass sich die DNA-Sequenz selbst verändert.
Epigenetische Prozesse zeigen:
- Gene sind keine starren Programme
- ihre Aktivität ist dynamisch und beeinflussbar
- sie reagieren sensibel auf innere und äußere Bedingungen
Zu den bekannten Einflussfaktoren zählen unter anderem:
- chronischer Stress
- hormonelle Dauerbelastung
- Schlafmangel
- emotionale Überforderung
- fehlende Erholungs- und Regenerationsphasen
Wichtig – und mir sehr am Herzen:
👉 Epigenetik bedeutet nicht, dass Gedanken allein Krankheiten verursachen oder heilen.
Sie beschreibt vielmehr, wie biologische Systeme auf die Lebensbedingungen reagieren, in denen ein Mensch lebt, fühlt und sich regulieren kann – oder eben nicht.
Das Nervensystem als Schlüssel zur Recovery
Eng verbunden mit epigenetischen Prozessen ist das autonome Nervensystem.
Nach einer Krebsdiagnose – und oft auch während und nach belastenden Therapien – befindet sich der Körper häufig über längere Zeit im Alarmmodus. Das kann sich zeigen als:
- innere Anspannung
- Hypervigilanz: Feststecken im Alarmmodus
- Erschöpfung
- Schlafstörungen
- reduzierte Regenerationsfähigkeit
In diesem Zustand ist der Organismus primär auf Bedrohungsabwehr ausgerichtet.
Prozesse wie:
- tiefer Schlaf
- Zellreparatur
- Immunsystem-Balance
- Verdauung
- emotionale Integration
treten in den Hintergrund.
Forschung aus Stress-, Trauma- und Resilienzforschung zeigt:
👉 Erlebte Sicherheit, Ruhe und Regulationsfähigkeit sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass Erholungs- und Heilungsprozesse gut begleitet werden können.
Das bedeutet nicht, dass Entspannung Krebs „wegmacht“.
Es bedeutet, dass ein reguliertes Nervensystem die biologischen und emotionalen Rahmenbedingungen für Recovery, Lebensqualität und Nachsorge deutlich verbessert.
Mein Ansatz in der Brustkrebs-Recovery
Auf dieser Grundlage verstehe ich meine Arbeit als Mentorin in der Recovery-Phase nach einer Krebserkrankung.
Meine Begleitung ist:
- kein Ersatz für medizinische Behandlung
- kein mentaler Heilansatz
- keine Schuld- oder Ursachenlehre
Sie versteht sich als ergänzende, achtsame Unterstützung zur onkologischen Nachsorge.
Im Mittelpunkt stehen:
- Regulation des Nervensystems (z. B. über Atmung, Körperwahrnehmung, sanfte somatische Übungen)
- Achtsamkeit & Präsenz um wieder im eigenen Körper anzukommen
- Stressreduktion ohne Leistungsanspruch
- Stärkung von Selbstwirksamkeit statt Schuldzuweisung
- behutsame Integration der Krankheits- und Therapieerfahrung ins Leben
Recovery bedeutet für mich:
dem Körper wieder Sicherheit zu vermitteln
dem Geist echte Ruhe zu erlauben
und Schritt für Schritt neues Vertrauen ins Leben zu entwickeln
Bewusstsein als Ressource – nicht als Ursache
Bewusstsein spielt in diesem Prozess eine wichtige Rolle – als Ressource.
Die Erkenntnisse aus Epigenetik, Stress- und Nervensystemforschung bilden den Hintergrund für eine Haltung, die:
- den eigenen Einflussbereich anerkennt
- ohne Überverantwortung oder Schuld zu erzeugen
- Raum für Pausen, Grenzen und Regeneration schafft
Bewusste Wahrnehmung, achtsame Selbstfürsorge und regulierende Praktiken können so zu einem inneren Raum werden, in dem:
- Kraft gesammelt wird
- Orientierung entsteht
- Resilienz wachsen darf
Wenn du dein Nervensystem gezielt beruhigen möchtest, können angeleitete Entspannungs- und Regulations-Sessions eine wertvolle Unterstützung in dieser sensiblen Recovery-Phase sein.
Hier setzt mein Ansatz an.
